Unterwegs im SMV-Dschungel – wo geht´s lang?

Die Jugendlichen sollen Charakteristiken, Regularien, Schwierigkeiten, Chancen und Möglichkeiten der SMV-Arbeit erarbeiten und sich dabei als Akteur begreifen, dessen Handeln bzw. Nichthandeln das Schulleben beeinflusst. Ziel ist es, dass sie verstehen und lernen, sich in diesem Spektrum bewegen zu können. Zudem werden die Schüler animiert, sich aktiv als Mitgestalter von Schule zu verstehen und das Aktionsfeld nach den Bereichen Verantwortung, Verwaltung und Vertretung ausgelotet.

Wo?: Jugendbildungstätte der KAB und CAJ gGmbH, Schloßhof 1,  93349 Waldmünchen

Wann?: 19.09.2014, 9:15 – 20.09.2014, 18:45

Wie viel?: 60,00 €

Emailkontakt: office@jugendbildungsstaette.org

Internet: http://www.jugendbildungsstaette.org

Tel.: 09972/9414-0

Fax: 09972/9414-33

 

Bosnien und Herzegowina

Schulsystem

Das Land Bosnien und Herzegowina ist als Folge des Krieges (1992-1995) noch immer stark gespalten. Leider spiegelt sich diese Teilung auch im Bildungssektor wider: Die Schülerinnen und Schüler werden meist nach Nationalität getrennt unterrichtet („Zwei Schulen unter einem Dach“), was sich vor allem in Unterschieden im Sprach- und Geschichtsunterricht widerspiegelt. Zudem sind die Unterrichtsmethoden veraltet und Frontalunterricht gehört zum Alltag.

Die gesetzliche Schulpflicht in Bosnien-Herzegowina beträgt neun Jahre und gilt für alle Staatsangehörigen. Es gibt drei verschiedene Bildungsstufen – die Grundschule, die Mittelschule und die Hochschulen. Ganztagsschulen gibt es in Bosnien-Herzegowina nicht. Im Durchschnitt sind in einer Klasse ungefähr 30 Schüler.

Nach dem reformierten System werden die Kinder bereits mit 6 Jahren eingeschult. Die Grundschule dauert neun statt früher acht Jahre. Nach Abschluss der Grundschule haben die Schüler verschiedene Möglichkeiten in Bezug auf die Mittelschulen, die sie besuchen können. Die Auswahl hängt allerdings von ihrem bisherigen Leistungen und Noten ab. Darüber hinaus gibt es sowohl 3-jährige als auch 4-jährige Mittelschulprogramme. 3-jährige Mittelschulen sind in der Regel sogenannte Berufsschulen, in denen man die theoretische und praktische Seite eines Berufes erlernt, jedoch nicht wie bei einer deutschen Ausbildung dafür bezahlt wird. Der Abschluss eines 4-jährigen Programms entspricht vollkommen dem Gymnasialabschluss bzw. Abitur in Deutschland und würde problemlos zum Hochschulzugang in Deutschland berechtigen.

Schülervertretungsarbeit

Die „Stiftung Schüler Helfen Leben“

Schüler Helfen Leben (SHL) wurde während der Jugoslawienkriege 1992 von Schülerinnen und Schülern gegründet und wird seitdem vom BMFSFJ unterstützt. 2002 gründete Schüler Helfen Leben e.V. die gleichnamige Stiftung.

SHL setzt sich stark gegen die „Zwei Schulen unter einem Dach“ ein. Zudem ist das SHL-Office in Sarajevo feste Anlaufstelle in der Region geworden und Aktivitäten wie die Schülervertretungs- und Jugendmedienarbeit, sowie multiethnische Austausche und Kooperationsprojekte erreichen immer mehr Jugendliche.

SHL fördert das Engagement von jungen Menschen. Zusätzlich hat sich aus der jahrelangen Unterstützung (seit Mitte der 1990er Jahre) von Schülerinnen und Schülern eine bosnienweite Schülervertretung (ASuBiH) entwickelt, die mittlerweile seit vier Jahren als eigenständige Organisation besteht.

Bosnienweite Schülervertretungsorganisation (ASuBiH)

Mit Unterstützung durch SHL Sarajevo entwickelten die SchülervertreterInnen eine demokratische Netzwerkstruktur, die besonderen Wert auf Partizipation und Mitbestimmung aller SchülervertreterInnen aus ganz Bosnien und Herzegowina legt. Endlich bekam das Netzwerk auch einen Namen: „Asocijacija srednjoskolaca u Bosni i Herzegovini“ (ASuBiH), auf Deutsch „Schülervertretungsorganisation Bosnien und Herzegowina“.

Neben einem demokratisch gewählten Vorstand, einer Generalversammlung von delegierten SchülervertreterInnen sowie thematischen Arbeitsgruppen, die sich aus Schülerinnen und Schülern aus allen Teilen Bosnien und Herzegowinas und sämtlichen ethnischen Gruppen zusammensetzen, wurde ebenfalls eine Koordinationsstelle für administrative und finanzielle Angelegenheiten eingerichtet. Alle Ämter werden von Schülerinnen und Schülern ehrenamtlich bekleidet. Der zeitliche Aufwand des Engagements für die ASuBiH ist genau auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler abgestimmt. Klausurzeiten und Schulferien sind in der Planung der Aktivitäten berücksichtigt.

Im Februar 2008 wurde die ASuBiH offiziell als Nicht-Regierungsorganisation anerkannt.

Nach ihrer Formalisierung und ohne die intensive Begleitung durch SHL Sarajevo, ist die Arbeit der ASuBiH heute sehr erfolgreich. Seit ihrer Gründung nimmt die Anzahl ihrer aktiven Mitglieder stetig zu. Die ASuBiH arbeitet in Bosnien und Herzegowina nahezu flächendeckend und in ihrer Netzwerkarbeit involviert sie 150 von den insgesamt 200 Oberschulen im Land. Durch mehr als 100 Peer-To-Peer Trainings von Schülerinnen und Schülern für Schülerinnen und Schüler fördert die Organisation auch 2010 das Lernen von und mit Gleichaltrigen.

Auch international ist die ASuBiH aktiv. Sie ist offizielles Mitglied des Dachverbandes internationaler Schülervertretungsorganisationen, des „Organising Bureau of European School Students Unions“ (OBESSU).

Quellen: Schüler helfen Leben; Helfer ohne Grenzen; ProjektXChange

Ungarn

Schulsystem

Seit 1998 gibt es Ungarn eine 12-jährige Schulpflicht. Das Schulsystem in Ungarn ist nicht föderal, sondern dezentral organisiert.

Die grundlegende Bildungseinrichtung ist die Allgemeine Schule, die acht Schuljahre umfasst und in die Unterstufe (Klasse 1-4) und Oberstufe (Klasse 5-8) eingeteilt wird. Die „Oberstufe“ (die Klassen 5–8) der achtjährigen Grundschule wird immer mehr den Haupt- und Realschulen im deutschsprachigen Raum ähnlich. Im Anschluss an die Sekundarstufe I (Klasse 8) schließt sich der 4-jährige Besuch einer Berufsmittelschule, Berufsschule, Fachschule oder eines Gymnasiums an. Die Prüfungen zum Erwerb der Hochschulreife werden im ganzen Land einheitlich und zentralisiert abgehalten. Seit 2005 gibt es die Möglichkeit, eine Art „Leistungsmatura“ in einigen Fächern abzulegen, die gleichzeitig als Aufnahmeprüfung für die Universität gilt. Der Erwerb der Hochschulreife ermöglicht ein Studium an Universitäten und Fachhochschulen.

Schülervertretungsarbeit

1993 wurde die Rolle der Schülervertretungen in Ungarn erstmalig gesetzlich geregelt. Das diesbezügliche Gesetz wurde seither mehrfach verändert. Ziel des Gesetzes ist die Verankerung der SV auf Schulebene, um der Schülerschaft ein größtmögliches Mitspracherecht zu ermöglichen.

In folgenden Bereichen können Schülervertretungen u.a. mitbestimmen: Form und Inhalt des Unterrichts und Fragen der schulischen Erziehung, Kommunikation im Schulalltag, Schaffen von Grundlagen für die SV-Arbeit (Räume, finanzielle Unterstützung, etc.), Vernetzung mit anderen Schülervertretungen, etc. Zudem haben die SVen ein Rechts zur Meinungsäußerung bei verschiedenen Themen: Organisation von Abschlussprüfungen, Auflösung, Neuordnung oder Aufgaben- und Namensänderungen der Schule, Fragen bezüglich des Schulhaushalts und Einsetzung bzw. Abberufung der Schulleitung.

Auf regionaler und nationaler gibt es keine offizielle Schülervertretung und auch kein gesetzliches nationales Gremium zur Vertretung der Interessen der Schülerschaft.

Quelle zur Schülervertretungsarbeit:

Ulrike Leikhof (Hrsg.): „Außerschulische Bildung für innerschulische Demokratie – SV-Arbeit als Schwerpunkt außerschulischer politischer Bildung“, Wochenschau VerlagSchwalbach/Ts., 2007

Tschechien

Schulsystem

In Tschechien ist der Kindergarten in das Schulsystem integriert und fällt auch unter die Aufsicht des Schulministeriums. Die Grundschule umfasst neun Jahre, ebenso wie die Schulpflicht.  Die Grundschule wird in zwei Bildungsstufen unterteilt. In der ersten Stufe (Klasse 1-5) unterrichtet der/die Klassenlehrer/-in fast alle Fächer, wohingegen in der zweiten Stufe (Klasse 6-9) sich die Lehrer/-innen je nach Fachbereich spezialisieren. An allen Gymnasien und (Fach-)Oberschulen der Tschechischen Republik gibt es Aufnahmeprüfungen. Das Abitur gilt als Hochschulzugangsberechtigung. An Beruflichen Oberschulen erfolgt eine Ausbildung im handwerklichen Bereich, die mit der staatlichen Gesellenprüfung abgeschlossen werden kann. Voraussetzung für ein Hochschul-/ Universitätsstudium ist neben dem Abitur das Bestehen der Aufnahmeprüfung an der jeweiligen Hochschule.

Schülervertretungsarbeit

Als Beispielprojekt kann man die Schulpartnerschaft zwischen dem Gymnasium Mittweida und der Tschechischen Schule von Ceska Lipa sehen. Im Rahmen des Sokrates Projekts (genauer: Comenius-Programm) wurde dort 2004 zum ersten Mal eine Schülervertretung aufgebaut. Diese Strukturen sind die der „European Charter“, also die des Deutschen SV-Systems. Die European Charter legt fest, dass „4. Every democratic school has a democratically elected decision-making body composed of representatives of students, teachers, parents, and other members of the school community where appropriate.” Hierzu gehörten auch die demokratisch gewählten Schülersprecher.

Der Plan sieht vor, dass sich die SV einmal in der Woche in Freistunden treffen soll. Alle zwei Monate sollen beide Klassensprecher jeder Klasse die Möglichkeit bekommen, sich während der Unterrichtszeit zu treffen.

Die grundlegende Idee der SV ist, die Schülerschaft über aktuelle Vorgänge zu informieren und die Wünsche und Meinungen der Schülerschaft nach außen zu vertreten. Dazu müssen die Schüler informiert werden.

Ein „School Board“ soll eingerichtet werden. Dies ist eine Gremium bestehend aus: 3-4 Lehrer/innen, 3-4 Eltern und 3-4 Schülern. Dieses Gremium tritt bei Bedarf zusammen, wenn es um schwer zu erreichende Ziele geht. Des Weiteren soll ein Netzwerk zwischen den Schülervertretungen aufgebaut werden, um Bezirksschülervertretungen und Landesschülervertretungen zu formieren.

Quelle Schulsystem: Tandem

Niederlande

Schulsystem

Da es in den Niederlanden jedem auf Grund seiner Religion oder auf der Basis eines bestimmten pädagogischen Ansatzes frei steht eine vom Staat finanzierte Schule zu gründen, leuchtet es ein, dass rund zwei Drittel aller Schüler in den Niederlanden eine private Schule besuchen. Diese werden in der Regle von Stiftungen getragen. Die Wahl der Methoden steht ihnen dabei frei, der Inhalt wird allerdings vom Staat vorgegeben und wird durch Leistungstests geprüft.

Es gibt in den Niederlanden auch Grundschulen, diese „basisschool“ umfasst acht Klassen. Die Kinder werden in den Niederlanden in der Regel mit vier Jahren eingeschult, so dass die „basisschool“ mit 12 Jahren endet. An die basisschool schließt die Sekundarbildung an. Bevor sich die Schüler für eine Schulform entscheiden gibt es in allen Formen der Sekundarschulen eine Übergangsklasse, eine so genannte „brugklas“. Diese dient vor allem der Orientierung der Schüler über ihre zukünftige Schullaufbahn.

Daran anschließend gibt es drei Schulformen:

Einrichtungen der vor-universitären Bildung (vwo): Dies dauert sechs Jahre und bereitet auf die Aufnahme eines Studiums vor. Dort kann man zwischen verschiedenen Schwerpunkt wählen, etwa zwischen Sprachen, Kultur und Wissenschaft oder Natur und Technik. Die vwo endet mit einer allgemeinen Abschlussprüfung.

Einrichtungen der allgemeinen Sekundarbildung (havo): Diese fünfjährige höhere allgemeinbildende Schule soll die Schüler vor allem auf „höhere“ Ausbildungen vorbereiten. In der Realität setzen viele Schüler der havo ihren Bildungsgang an einer vwo fort, um somit an Universitäten studieren zu können. Der havo-Abschluss qualifiziert aber für eine vierjährige Ausbildung an einer Fachhochschule. Auch hier gibt es verschiedene Profile und die Ausbildung endet mit einer allgemeinen Abschlussprüfung.

Einrichtungen der berufsbildenden Senkundarerziehung (vmbo): Der neue vierjährige berufsvorbereitende Sekundarunterricht ist unterteilt in einen theoretischen „leerweg“ (Realschule) und einen praktischen „leerweg“ (Hauptschule). Hier werden die Schülerinnen und Schülerhauptsächlich auf den späteren Besuch der Berufsschule vorbereitet.

Schülervertretungsarbeit

Die SV in den Niederlanden nennt sich „leerlingsraad“ und ist nicht gesetzlich verankert. Es gibt jedoch an jeder Schule (zumindest an den Sekundarschuleneinen) einen so genannten „medezeggenschapsraad“, also ein Mitbestimmungsorgan, indem sich die Schüler vertreten und der im Gesetz zur Mitbestimmung an Schulen verankert ist. Dieser Rat trifft sich regelmäßig mit der Schulleitung.

An den Sekundarschulen gibt es aber in der Regel eine SV. Ihre Aufgabe ist es die schulischen Aktivitäten mitzugestalten und vorzubereiten. Da es aber keine genaue Vorgabe gibt, hängt dies auch immer von der jeweiligen Schule in diesem sehr zersplitterten Schulsystem der Niederlande ab.