Neonazis in Facebook und Co.

Botton no-nazi.net

Von Wölfen im Schafspelz bis zu offen extremen Inhalten: in sozialen Netzwerken zeigen viele Rechtsextreme ihr Gesicht. Einige besonders aussagekräftige Beispiele stellte Simone Rafael von no-nazi.net vor. In ihrer Analyse bestätigte sie die Eindrücke ihrer Vorredner: Die meisten Neonazis agieren sehr professionell und geben sich oft bewusst harmlos und scheinbar seriös. Sie propagieren zum Beispiel die besondere Rolle der Familie oder warnen vor „kultureller Überfremdung“. Ein besonders drastisches Beispiel: „Die Kampagne gegen Kinderschänder“ auf Facebook. „Dabei geht es aber nicht wirklich um Engangement gegen Kinderschänder, sondern um eine Propaganda rechtsextremer Politik“, sagte Rafael, „die Forderung nach Todestrafe“. Rechtsextreme wollen über die Sozialen Netzwerke zu einer „Normalisierung“ extremer Argumente beitragen, eine „Meinungsführerschaft übernehmen“; eine rechtsextreme Gegenöffentlichkeit schaffen. Doch warum tun sie dies gerade auf Facebook, Studi-VZ und Co? „Zwischen Hobbys und Familienbildern wirkt Rechtsextremismus wie eine scheinbar legitime private Vorliebe“, erklärte Simone Rafael. Extreme Argumente scheinen hier salonfähig.

Doch wie können Soziale Netzwerke damit umgehen?

Die Inhalte aus Sozialen Netzwerken zu löschen, ist nicht einfach. Zum einen wegen der riesigen Datenmenge, zum anderen weil gelöschte Profilseiten meist kurze Zeit nach dem Löschen erneut hochgeladen werden. Simone Rafael fordert, Soziale Netzwerke sollten sich in ihren AGBs klar gegen extremes Gedankengut positionieren und Kampagnen gegen Rechtsextremismus inhaltlich unterstützen. Den Nutzern empfiehlt sie folgende Strategien:

  • rechtsextreme Seiten melden!
  • In Diskussionen und Foren rechtsextreme Statements nicht unwidersprochen stehen lassen, aber sich auch nicht auf eine Endlos-Diskussion einlassen!
  • Wenn Leute (virtuell) angegriffen werden, dem Opfer zur Seite stehen!
  •  Gruppen beitreten, die sich gegen Nazis engagieren!

Im der anschließenden Diskussion an den Vortrag fragte AKSB-Geschäftsführer Lothar Harles, wie man dann im Netz die Meinungsführerschaft behalten könne: „Was wollen wir denn mit ganzer Kraft?“ Viele Jugendliche seien überhaupt nicht politikfern, antwortete Simone Rafael. Junge Menschen diskutieren zum Beispiel viel in virtuellen Gruppen. Vielen seien Themen wie Gleichberechtigung und Achtung der Mitmenschen sehr wichtig. Aber diese Jugendlichen bräuchten die Unterstützung der Jugendarbeit. „Die Jugendbildung kann hier die Strategien der Rechtsextremen im Web aufdecken“, so Rafaels Fazit.