„Facebook ist eine neutrale Plattform“

Eva-Maria Kirschsieper, Facebook

Eva-Maria Kirschsieper ist Manager Privacy & Policy bei Facebook in Deutschland. In dieser Funktion ist sie Ansprechpartnerin für die Politik und die Datenschützer in Deutschland. Über www.facebook.com/ PublicPolicyOfficeBerlin kann jeder auch direkt mit Ihr in Kontakt treten. Nach der Tagung „Jugend im Web 2.0: Kompetent gegen Rechts“ führte AKSB-Inform nachfolgendes Interview mit der Facebook-Managerin: 

AKSB-Inform: Welche Möglichkeiten gibt es generell, um Facebook-Seiten mit (rechts)radikalen oder extremistischen Inhalten zu verbieten?

Grundsätzlich gilt, dass Facebook eine neutrale Plattform ist. Darüber hinaus gilt aber, dass alle Inhalte, die gegen die Nutzungsbedingungen („Du wirst keine Inhalte posten, die: verabscheuungswürdig, bedrohlich oder pornografisch sind, zu Gewalt auffordern oder Nacktheit oder Gewalt enthalten.“- www.facebook.com/terms/german.php) verstoßen, umgehend gelöscht werden. Ein Facebook-Team arbeitet intensiv daran, diese Inhalte so schnell wie möglich zu identifizieren.

Das heißt konkret: Volksverhetzende oder rassistische Inhalte werden auf Facebook nicht geduldet und gelöscht, sobald sie gefunden werden – vom Team, von technischen Mitteln und über Nutzer, die die Inhalte melden.

Zusätzlich gilt natürlich immer der Aufruf an alle User, entsprechende Inhalte, Gruppen und Seiten umgehend zu melden, oder besser noch: aktiv dagegen vorzugehen und selbst eine Gruppe oder Aktion zu starten. Auf Facebook können Personen, Seiten, Gruppen oder Kommentare gemeldet werden. Außerdem erlauben wir auch keine Seiten oder Profile mit Nazi-Symbolen.

Darüber hinaus hat Facebook ebenfalls technische Lösungen entwickelt z.B. dass man bestimmte Namen/ Schlagwörter nicht verwenden kann etc.), die die Arbeit des Teams unterstützen. Weiterhin hat Facebook im April vergangenen Jahres seinen überarbeiteten Sicherheitsbereich für Familien vorgestellt. Mit ihm bietet Facebook eine weitere Anlaufstelle, für Strafverfolgungsbehörden, Eltern, Lehrer und Organisationen. Diesen finden Sie unter: http://www.facebook.com/safety. In einem YouTube-Kanal gibt es außerdem Videos zum Thema Sicherheit (www.youtube.com/facebooksafety).

AKSB-Inform: Auf Facebook fordern fast eine halbe Million User, die NPD-Seite zu löschen. Ist das möglich, bzw. realistisch. Wenn ja, warum bisher nicht geschehen?

Facebook ist wie erwähnt eine neutrale Plattform auf der jeder seine Meinung äußern kann, solange es sich im rechtlich zulässigen Rahmen bewegt und nicht gegen eben beschriebene Grundsätze verstößt. Die NPD ist eine legale Partei und kann somit zunächst einmal wie anderen Parteien auch eine Seite auf Facebook unterhalten oder Gruppen gründen – allerdings selbstverständlich nur, so lange sie sich an die Regeln hält und dort keine rassistischen oder andere unzulässige Inhalte veröffentlicht. Es ist mir wichtig zu betonen, dass rassistische Inhalte keinen Platz haben, zu dieser Aussage stehen wir und fordern jeden auf, diese Inhalte bei Facebook zu melden. Wenn wir von derartigen Inhalten erfahren, werden diese von der Seite entfernt. Wir arbeiten im Übrigen gerade daran, die Nutzer noch besser dabei zu unterstützen, unzulässige Inhalte zu erkennen und zu melden.

AKSB-Inform: Erst vor Kurzem gab es wieder Probleme mit dem Löschen von Foto-Datensätzen. Schadet das auf Dauer nicht ihrer Popularität, wenn es immer wieder Negativ-Schlagzeilen gibt?

Die Systeme, die wir vor ein paar Jahren zur Speicherung von Fotos verwendeten, haben die Bilder nicht immer in einem angemessenen Zeitraum aus den so genannten Content Delivery Networks gelöscht, obwohl sie sofort von der Webseite entfernt wurden.

Daher haben wir hart daran gearbeitet, um unsere Fotospeicher auf neuere Systeme umzustellen, die gewährleisten, dass Fotos innerhalb von 45 Tagen nach dem Antrag auf Löschung komplett gelöscht werden. Dieser Prozess ist nahezu abgeschlossen und nur noch ein sehr kleiner Prozentsatz von Nutzer-Fotos muss von dem alten System migriert werden. Wir erwarten, dass dieser Prozess innerhalb der nächsten ein oder zwei Monate abgeschlossen sein wird. Dann werden wir noch einmal überprüfen, ob die Migration komplett abgeschlossen ist und anschließend alle alten Inhalte deaktivieren.

AKSB-Informa: Welche Möglichkeiten gibt es für Nutzer, die all ihre bei Facebook hinterlegten Daten einsehen  wollen?

Facebook bietet mit dem so genannten „Downlowad your Information“-Werkzeug ein effektives Instrument, um einen Überblick über die eigenen Daten zu bekommen. Dies wurde Ende Dezember nach einer langwierigen Prüfung durch die Irische Datenschutzbehörde bestätigt. Weiterhin einigten wir uns mit der Behörde aber darauf, einen noch umfangreicheren Zugang über das Download Your Information Werkzeug anzubieten. Darüber hinaus bietet das Aktivitätenprotokoll der neuen Chronik einen weiteren sehr effektiven Weg, die eigenen Daten zu kontrollieren.

AKSB-Inform: Gibt es überhaupt die Möglichkeit, auf Wunsch dauerhaft alle Daten eines Nutzers zu löschen?

Grundsätzlich gilt: der Nutzer hat auf Facebook die Kontrolle über seine eigenen Daten – im Übrigen behält er auch die Rechte an seinen Inhalten. In den letzten Monaten haben wir kontinuierlich neue Wege geschaffen, um diese Kontrolle noch besser ausüben zu können. Z.B. über das nachträglich Verändern der Sichtbarkeit von Beiträgen. Das Löschen der eigenen Inhalte – oder auch des ganzen Profils ist Teil dieser Kontrolle über die Daten. Auch an dieser Stelle sind neue Instrumente geschaffen worden – z.B. das angesprochene Aktivitätenprotokoll, welches mit der neuen Chronik eingeführt wird, mit denen die Menschen ihre Inhalte einfacher löschen können.

AKSB-Inform: Was wollen Sie in Zukunft tun, um die persönlichen Daten der Nutzer zu sichern?

Die Sicherheit  der Menschen und ihre Informationen auf Facebook hat für uns oberste Priorität. Diese zu gewährleisten ist und bleibt unsere Verpflichtung. Hieran arbeiten wir intern mit technischen Mitteln, gleichzeitig geben wir den Nutzern auch zahlreiche Instrumente an die Hand, selber die Sicherheit der Daten zu unterstützen. Diese Instrumente können z.B. aktiv selber genutzt werden etwa über die eigenen Sicherheitseinstellungen: www.facebook.com/settings?tab=security, aber auch durch das eigenen Verhalten kann man an der Datensicherheit mitwirken. Hierzu geben wir z.B. im so genannten Safety-Center Tipps: www.facebook.com/safety/tools/.