Außerschulische politische Bildung und Schule: Gemeinsam gegen Rechtsextremismus

Titelseite der AKSB-Projektdokumentation, die in der AKSB-Geschäftsstelle auch als Printversion kostenlos bei Andrea Rein, sekretariat-bp@aksb.de, angefordert werden kann.

Mit der letzten Sitzung der Steuerungsgruppe am 29. Februar 2012 im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen ging das AKSB-Projekt „Jugend im Web 2.0: Kompetent gegen Rechts“ zu Ende. In der Dokumentation des Projekts zog AKSB-Geschäftsführer und Projektleiter Lothar Harles folgendes Resümee: Rechtsextreme nutzen verstärkt das Web 2.0 zur „Normalisierung“ ihrer extremen Positionen. Als „Wolf im Schafspelz“ wollen sie Jugendliche für ihre Positionen ködern. Besondere Seminarangebote sind daher unverzichtbar: Sie sollen jungen Menschen Mut machen, aktiv für Toleranz, Gerechtigkeit,
Demokratie und gegen Rechtsextremismus einzutreten. Das Projekt habe gezeigt, dass diese Angebote von den Jugendlichen angenommen werden.

AKSB-Geschäftsführer und Projektleiter Lothar Harles

In den Themenfeldern Rechtsextremismus und Web 2.0 gebe es zudem erheblichen Nachholbedarf nicht nur bei Schüler/-innen, sondern auch bei Lehrer/-innen und Eltern, betonte Harles. Sie müssten in Zukunft in entsprechende Bildungsmaßnahmen einbezogen werden. Zudem sei klar geworden: „Niemand kann sich gegen die Gefahren des Rechtsextremismus alleine wehren. Die Zusammenarbeit von außerschulischer politische Bildung und Schule muss daher gestärkt werden: Wir brauchen dringend eine intensivere pädagogische Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus und eine Stärkung der Medienkompetenz im Web 2.0 durch qualifizierte Bildungsarbeit in allen Formen.“

Aus dem Querschnitt der verschiedenen Aktivitäten ergeben sich für das Projekt folgende Schlussfolgerungen und Perspektiven:

Intensive Auseinandersetzung mit Grundsätzen der Demokratie notwendig
Die aktuelle Aufdeckung der Mordserie der rechtsextremistischen Gruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ im Projektzeitraum machte der Öffentlichkeit bewusst, dass rechtsextremistische Gewalt kein Phänomen der Vergangenheit
darstellt. Die Kurse und das Projekt konnten an diese aktuellen Geschehnisse und das aktuelle Bewusstsein in der Bevölkerung im Gespräch mit den Jugendlichen anknüpfen. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Rechtsextremismus im Spiegel der Gesellschaft muss zentrales Anliegen politischer Bildung sein. Teilweise wurde deutlich, dass die Jugendlichen Schwierigkeiten mit der Formulierung von Gegenentwürfen zu rechten Argumentationsmustern hatten. Eine intensive Auseinandersetzung mit den Grundsätzen und Ideen unseres demokratischen Systems und seiner Werte bleibt daher weiterhin von zentraler Bedeutung.

Stärkere Sensibilisierung in SV-Seminaren für rechtsextreme Aktivitäten im Web 2.0 notwendig
In vielen Schulen, die am Projekt und an den Kursen beteiligt waren, besteht der Eindruck, keine „Probleme mit Rechts“ zu haben. Die SV-Seminare sollten daher stärker auf eine
Sensibilisierung für das Thema Rechtsextremismus fokussiert sein. Aufgabe von Seminaren der politischen Bildung ist es, Grundkenntnisse über rechtsextreme Äußerungen und Tendenzen anzubieten, damit Jugendlichen ein aufgeklärter Umgang mit Rechtsextremismus (im Netz und Offline) möglich wird. Trotz der aktuellen Ereignisse um die rechtsextreme Terrorzelle ergibt sich eine Bereitschaft an Schulen für die Auseinandersetzung mit dem Thema Rechtsextremismus nicht automatisch. Hier ist eine gezielte Ansprache erforderlich und die Vermittlung geeigneter Gesprächspartner notwendig.
Steigerung der SV-Kompetenz – Stärkung der Partizipationskompetenz
In der Bildungspraxis der AKSB-SV-Seminare haben sich die Anzeichen verstärkt, dass oftmals bei den Schüler/-innen eine große Bereitschaft zum Engagement, aber nur geringfügiges Wissen um die Rechte und die demokratischen Möglichkeiten
der SV-Arbeit bei den Schüler/-innen und Lehrer/-innen vorhanden sind. Die zusätzliche Möglichkeit, für SV-Partizipationsprozesse auch ePartizipationsmöglichkeiten des Web 2.0
zu nutzen, wird in der Schule ebenfalls nur selten erkannt. Dabei haben Schülervertretungen – oftmals im Gegensatz zur Lehrerschaft und den Elternvertretern – die Möglichkeiten des Social Web erkannt und nutzen sie ausgiebig. Gemeinsam mit
Lehrer/-innen und Elternschaft sollten daher in Zukunft die Möglichkeiten von tatsächlichen und Web 2.0-basierten Partizipationsmöglichkeiten in der SV-Arbeit ausgelotet sowie Modellprojekte konkretisiert und umgesetzt werden.

Stärkung der Medienkompetenz bei Schüler-, Lehrer- und Elternschaft
Während das Web 2.0 für Jugendliche als „Digital Natives“ quasi „normaler“ Bestandteil des sozialen Lebens darstellt, stehen viele Lehrer/-innen und die Elternvertreter den neuen  Medien eher skeptisch gegenüber. In den Seminaren zeigte sich oftmals ein
Kompetenzkonflikt zwischen Lehrer/-innen und Schüler/-innen in Bezug auf Social Media: Während die Verbindlungslehrer/-innen sich zurückhaltend und ängstlich gegenüber Facebook und Co zeigten, konnten die Schüler/-innen bereits auf große Erfahrungen
mit den Medien zurückgreifen. Sie kennen die verschiedenen Möglichkeiten und wissen um deren Bedienung. Dies führt zu der Situation, dass Schüler/-innen sich zwar für die Nutzung von Web 2.0-Aktivitäten stark machen, jedoch von den Lehrer/- innen oftmals keine Unterstützung erfahren. Jugendliche dagegen agieren oft unbekümmert im Social Web. Im Sinne der Medienpädagogik gilt es daher, Jugendliche zu befähigen, selbstbestimmt und kompetent mit dem Social Web umzugehen. Die Steigerung der Medienkompetenz ermöglicht einen adäquaten und aufgeklärten Umgang mit dem Social
Web und mit dort zu findenden rechtsextremen Inhalten. SV-Seminare
können dazu ein geeignetes Mittel sein. Mit Blick auf die oft mangelhafte Medienkompetenz von Lehrer- und Elternschaft sollte ein zukünftiges Kursziel jedoch nicht nur die Medienkompetenz der Schüler/-innen stärken, sondern auch diese
Zielgruppe in das Bildungsangebot mit einbeziehen.

„Reales“ Leben gleicht dem Leben in der „digitalen Welt“
Junge Menschen nutzen verstärkt die Möglichkeiten im Social Web, vor allem die Plattform Facebook ist unter Jugendlichen weit verbreitet. Andere soziale Netzwerke sind dagegen weitgehend unbekannt. Bei den Teilnehmenden der SV-Kurse konnte eine Kongruenz zwischen „realem“ und „virtuellem“ Leben festgestellt werden: Jugendliche im Netz stehen mit den gleichen Leuten in Kontakt, mit denen sie auch im „realen“ Leben einen Umgang pflegen. Der Kampf um (soziale) Anerkennung wird damit auch online geführt. Schüler/-innen gehen davon aus, dass Menschen, die online nicht viele Freunde haben auch offline eher ausgegrenzt sind.

Hohe Ansprüche der Teilnehmenden bezüglich der IT-Ausstattung der Bildungshäuser
Fachtagungen im Themenfeld Web 2.0 sind aus Sicht der Teilnehmenden und Referent/-innen mit hohen Ansprüchen an die kostenlos bereitgestellte Infrastruktur (W-Lan) und die sonstige Veranstaltungstechnik verbunden. Dies erfordert auf jeden Fall
zusätzliche personelle Ressourcen in der technischen Betreuung von Tagungen. Generell lässt sich damit sagen: Politische Bildung braucht bei der Bildungsarbeit im Web 2.0 zusätzliche personelle/finanzielle Ressourcen.

Die Dokumentation kann hier heruntergeladen werden:

AKSB_Dokumentation_KompetentgegenRechts

 

Fachtagung „Jugend im Web 2.0: Kompetent gegen Rechts“ startet am 9. Februar

 Ludwigshafen. Rund 50 Teilnehmende werden zur AKSB-Fachtagung „Jugend im Web 2.0: Kompetent gegen Rechts“ im Heinrich Pesch Haus in Ludwigshafen erwartet, die am 9. Januar starten wird. Bis Freitag den 10. Januar wird mit Fachreferent/-innen ein Überblick über die neuen For­men des Recht­sex­trem­is­mus im Web 2.0 gegeben und rechte Strate­gien und Vorge­hensweisen im Netz erläutert. Gle­ichzeitig wer­den  mit den Gesprächspart­nern und Ref­er­enten S(M)V-Aktivitäten und Strate­gien gegen Rechts disku­tiert und entwick­elt. Hier stellen wir Ihnen die Referenten vor:

Botton no-nazi.net

Johannes Baldauf ist Referent der Amadeu Antonio Stiftung und betreibt das Monitoring sozialer Netzwerke für das Modellprojekt no-nazi.net. Seit 2008 beschäftigt er sich mit Rechtsextremismus im Web 2.0 speziell in sozialen Netzwerken. Weitere Schwerpunkte bilden Antisemitismus und Verschwörungstheorien im Internet. Er studierte Literaturwissenschaft und Jüdische Studien in Berlin, Potsdam und Jena.

Meine Erwartung an die Fachtagung: Ich wünsche einen regen fachlichen Austausch und neuen Input für die Arbeit gegen Rechtsextremismus im Netz. Ebenso neue Vernetzungsmöglichkeiten. Und ich hoffe Menschen zu erreichen, die sich vorher wenig mit der Problematik des Rechtsextremismus im Netz auseinandergesetzt haben und diese zu ermutigen selbst aktiv zu werden.

Alexandra Beyersdörfer

Alexandra Beyersdörfer,  M.A. (Univ.), Literaturwissenschaftlerin und Pädagogin, ist seit 2006 Mitarbeiterin bei jugendschutz.net zum Themenbereich Rechtsextremismus im Internet. Gemeinsam mit ihrem Team recherchiert sie, wie Rechtsextreme das Internet zur Propaganda und Ansprache von Jugendlichen nutzen, entwickelt medienpädagogische Konzepte zum Thema und ist an der Erstellung von Handreichungen für die pädagogische Praxis beteiligt. Die Projektarbeit von jugendschutz.net wird finanziert von der Bundeszentrale für politische Bildung.

Meine Erwartung an die Fachtagung: Communities haben ein großes demokratisches Potenzial, aber Neonazis missbrauchen sie für ihre Propaganda und um junge User zu beeinflussen. Dem müssen alle Akteure gemeinsam entgegen treten. Die Fachtagung soll hier Unterstützung und Impulse liefern.

Guido Brombach

Guido Brombach studierte Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung an der Universität Essen und absolvierte ein Lehramtstudium für die Fächer Chemie und Pädagogik, das er 2001 als Dipl. Erziehungswissenschaftler abschloss. Guido Brombach war von 2001 bis 2006 pädagogischer Assistent im DGB Bildungswerk für den Bereich Computer und multimediale Kommunikation und ist Betreiber des Dotcomblogs. Seit 2007 ist er Leiter des Kompetenzzentrums Digitale Kommunikation, Lernen und Medien des DGB Bildungswerks, Hattingen.

Meine Erwartung an die Fachtagung: Ich möchte für 2 Dinge sensibilisieren:
1. Gemeinsam statt einsam
2. Unterstützen statt schützen

Hans-Uwe Daumann

Hans-Uwe Daumann, Diplom-Soziologe, Stv. Geschäftsführer des Bildungsträgers medien+bildung.com gGmbH, Ludwigshafen, einer Tochtergesellschaft der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) mit den Schwerpunkten Projektkoordination und Öffentlichkeitsarbeit. In seiner Zeit bei der LMK hat er vorher u. a. Studios Offener Kanäle ausgestattet, Seminarprogramme für Bürgerfernsehmacher/innen organisiert, Mediengestalter Bild und Ton ausgebildet und den Offenen Kanal Ludwigshafen geleitet. Freiwilliges Engagement:  u. a. in verschiedenen Kulturvereinen, in der Städtepartnerschaft, Gedenkarbeit und in der Kommunalpolitik.

Meine Erwartung an die Fachtagung: Gerade im Social Web wird deutlich, dass Neonazi-Umtriebe im Netz extremer Ausdruck eines verbreiteten ruppigen, von Ressentiments geprägten Umgangsstils sind. Ich erhoffe mir von der Tagung Aufschlüsse darüber, wie man Alltags-Rassismus und der verbreiteten Neigung zur Ausgrenzung gerade auch im Internet begegnet.

Alexander Häusler

Alexander Häusler ist Sozialwisssenschaftler und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsschwerpunktes Rechtsextremismus der Fachhochschule Düsseldorf. Zusammen mit Fabian Virchow ist er Herausgeber der Edition Rechtsextremismus im Verlag für Sozialwissenschaften.

Meine Erwartung an die Fachtagung: Ich wünsche mir einen spannenden inhaltlichen Austausch, lebendige Diskussionen und freue mich darauf, neue interessierte Menschen kennzulernen!

Dr. Doris Katheder

Dr. Doris Katheder, Leitung des Ressorts Erinnerungsarbeit, Menschenrechte und Werte an der Akademie Caritas-Prickheimer-haus in Nürnberg. Zahlreiche Veröffentlichungen in den Bereichen Medienpädagogik, Zeitgeschichte und Menschenrechte (Grundkurs Menschenrechte in 5 Bänden. Kommentare und Anregungen für die politische Bildung. 2012).

Meine Erwartung an die Fachtagung: Von der Tagung erwarte ich mir vor allem brandaktuelle Analysen, konkrete Impulse für die politische Bildungspraxis und eine Stärkung des Wissens um die Potentiale der politischen Bildung. Darüberhinaus, dass die Ergebnisse dieser Tagung von politisch Verantwortlichen wahrgenommen werden und diese mit einem unbändigen Willen all ihre politische Handlungskraft dafür einsetzen,  in noch viel stärkerem Maße als bisher das Immunsystem unserer Gesellschaft durch Verkleinerung der Armutsschere und der Bildungsschere zu stärken.

 

Georg Mastritsch

Georg Mastritsch hat sich schon früh in der Schülervertretung engagiert, zuerst als Klassensprecher, dann als Schülersprecher und schließlich als Kreisschülersprecher. Um sich weiter im Themenbereich SV-Arbeit zu engagieren, nahm er 2009 beim Bildungswerk für Schülervertretung und Schülerbeteligung e.V. an einer Ausbildung zum SV-Berater teil. Das sind junge engagierte Menschen, die Seminare für Schülervertretungen durchführen und gemeinsam mit den anderen Schüler/innen gemeinsam Werkzeuge erlernen, die notwendig sind um Schule nach den eigenen Bedürfnissen zu gestalten. Seit August 2011 arbeitet er als Freiwilligendienstleistender beim SV-Bildungswerk als selbstständiger Moderator und Prozessbegleiter.

Meine Erwartung an die Fachtagung: Ich erhoffe mir viele fachkundige Menschen und Multiplikatoren, die mit ihrer Erfahrung Diskussionen bereichern und uns voranbringen!

Sebastian Nikoloff

Sebastian Nikoloff ist Mitglied im Bundesvorstand der Jugendpresse Deutschland – Bundesverband junger Medienmacher. Dort verantwortet er den Bereich Kommunikation und setzt Projekte zur Förderung junger Journalisten um. Ein Hauptanliegen der Jugendpresse ist, junges Engagement zu fördern und sich für eine lebendige Debattenkultur als Fundament einer gesunden Demokratie einzusetzen. 2003 bis 2011 war er Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der Jugendpresse BW, dem Landesverband der Jugendpresse in Baden-Württemberg.

Meine Erwartung an die Fachtagung: Von der Fachtagung „Kompetent gegen Rechts – Jugend im Web 2.0“ erwarte ich mir einen produktiven Austausch mit Multiplikatoren der Jugendarbeit zum Thema Rechtsextremismus. Ich möchte zeigen, wie die Jugendpresse Deutschland durch neue Ansätze Strategien liefern könnte, um demokratiefeindlichem Gedankengut konsequent zu begegnen und der Herausforderung sinkender öffentlicher Ausgaben zu begegnen.

Thomas Pfeiffer

Thoms Pfeiffer ist Diplom-Pädagoge und Web-Entwickler. Er programmiert WordPress-Blogs, Anbindungen an Facebook und Twitter und einiges mehr. Außerdem gibt er Seminare und Workshops zum Thema „Social Media und Web 2.0 für Marketing und PR“ und hält Vorträge über die Auswirkungen des Digitalen Wandels auf unsere Gesellschaft. Heute schreibt Thomas Pfeiffer regelmäßig für das Projekt „pb21″ der Bundeszentrale für politische Bildung und des DGB Bildungswerks. „Politische Bildung im 21. Jahrhundert – pb21″ möchte die Welt der politischen Bildung mit der Welt des Web 2.0 verbinden. Thomas Pfeiffer engagiert sich mit Satire-Webseiten gegen rechts, stellte Kopien der gesperrten „Dresden Nazifrei“-Seite ins Netz und betreibt die Lernseite „Ich kann es nicht mehr hören“, auf der knackige Argumente gegen rassistische und ausgrenzende Sprüche gesammelt und ausprobiert werden. Er ist Mitglied im Sachausschuss Medienpolitik und Medienethik des Diözesanrates des Erzbistums München und Freising, Mitglied im Arbeitskreis Medien der IHK München und Oberbayern sowie Mitglied im Landesarbeitskreis Medien- und Netzpolitik der bayerischen Grünen. Zurzeit schreibt er an seinem zweiten Buch, das den Titel trägt „Mein Kind ist bei Facebook – Tipps für Eltern“. Thomas Pfeiffer lebt und arbeitet in München und bloggt unter webevangelisten.de

Meine Erwartung an die Fachtagung: Man muss sich rassistischen Meinungen dort widersetzen, wo sie vorkommen: Auf der Straße, in der Schule, in Parlamenten und auch im Internet, z.B. auf Facebook. Nur die wenigsten erkennen auf Anhieb, dass „Anti-Kinderschänder“-Seiten meist Naziparolen durch die Hintertür transportieren. Hier gilt es, Aufklärung zu betreiben und den Nazis ihre „Street Credibility“ zu nehmen und den wahren Charakter ihrer rassistischen Überzeugungen zu entlarven.

Botton no-nazi.net

Simone Rafael ist studierte Publizistin und Kunsthistorikerin. Sie begann als freie Journalistin u.a. für Zitty, Die Welt, Brigitte.de, ART, Vanity Fair. Nach einem Volontariat an der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule konzipierte und leitete sie ab 2002 für den stern und die Amadeu Antonio Stiftung das Internetportal mut-gegen-rechte-gewalt.de. Seit 2009 ist sie Chefredakteurin von Netz-gegen-Nazis.de, dem Internetportal mit Rat und Tat gegen Rechtsextremismus der Amadeu Antonio Stiftung  und der Wochenzeitung DIE ZEIT. Daneben entwickelt sie Ideen gegen Rechtsextremismus im Internet, etwa die Kampagne „Soziale Netzwerke gegen Nazis“ oder das Argumentationstraining „Generation 50+ aktiv im Netz gegen Nazis“. Ihr neuestes Projekt heißt  „no-nazi.net – Für sozialen Netzwerke ohne Nazis“ und will über soziale Medien mit Jugendlichen für mehr Demokratie im Internet arbeiten.

Meine Erwartung an die Fachtagung: Ich wünsche mir ein Internet, an dem alle angstfrei und gleichwertig teilhaben können, ohne Menschenfeindlichkeit, abwertende Streitkultur und Hass. Das Internet ist zwar ein technisch demokratisches Medium – aber damit demokratische Werte und Normen die Handlungsgrundlage bilden, müssen wir uns alle jeden Tag dafür einsetzen, Nutzer/innen wie Unternehmer/innen. Dafür braucht es viele Aktive mit vielen Ideen – ich erhoffe mir, auf der Fachtagung spannende Gesprächspartner/innen zu treffen, Anregungen zu erhalten und zu geben.

Dirk Strohmenger

Dirk Strohmenger, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Studium der Rechtswissenschaften in Köln, Rechtsreferendariat in Bonn, seit 1999 Zulassung zum Rechtsanwalt, Mitglied einer überörtlichen Sozietät, seit 2003 Partner in der Sozietät Bietmann, Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer – Fachbereich IP/IT, seit 2004 Zulassung als Rechtsanwalt beim Oberlandesgericht Köln, betreut die Standtorte der Sozietät Bietmann in München und Berlin.

Meine Erwartung an die Fachtagung: Web 2.0/Social Media ist kein rechtsfreier Raum, sondern folgt im Grundsatz den gleichen Spielregeln, wie unser reales Zusammenleben. Dieses Bewusstsein zu vermitteln, ist mein Anliegen!

Dr. Helmut Volk

Dr. Helmut Volk, Dipl. Soz. und Schulpsychologe, seit 1978 im Schuldienst und in der Schulberatung tätig. Seit 2009 arbeitet er in dem vom Bayerischen Kultusministerium neu geschaffenen Bereich „Demokratie und Toleranz“ als Regionalbeauftragter, zuständig für alle Schularten in elf  oberbayerischen Landkreisen. Sein Aufgabenfeld umfasst u.a.: Fortbildungsangebote für Lehrkräfte zum Themenfeld „Extremismus“, Organisation von Veranstaltungen oder Projekten an Schulen, Beratung von Schulen, Eltern und Schülern, Aufbau von Netzwerken.

Meine Erwartungen an die Fachtagung: Meine Erwartungen an die Fachtagung liegen in der Erweiterung meines Einblicks in jugendspezifische Kommunikationsformen. Seit Jahren werden die Möglichkeiten des Web 2.0 in immer perfekter werdenden Formen gerade vom rechtsextremistischen Umfeld genutzt , die explizit Jugendliche ansprechen und von ihnen zunehmend auch angenommen werden. Außerdem freue ich mich auf einen erfahrungsbereichernden Austausch.

Martin Ziegenhagen

Martin Ziegenhagen, Dipl. Päd., ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Vereinigung Gegen Vergessen – Für Demokratie. Er ist dort seit 2001 als Projektleiter schwerpunktmäßig mit der Planung und Durchführung von Projekten und Veranstaltungen mit dem Ziel der Förderung von demokratischer Kultur und zivilgesellschaftlichem Engagement gegen demokratiefeindliche Phänomene wie Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Rechtsextremismus beschäftigt. Seit 2007 leitet er das Projekt „Online-Beratung gegen Rechtsextremismus“. Er ist Lehrbeauftragter an der Freien Universität Berlin und Mitherausgeber des Buches „Gegen Rechtsextremismus. Handeln für Demokratie.“

Meine Erwartung an die Fachtagung: Web 2.0 bzw. soziale Plattformen sind das, was die Nutzer draus machen. Ich erhoffe mir von der Tagung, dass die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wertvolle Informationen über rechtsextreme Umtriebe im Netz erhalten und vor allem Erkenntnisse darüber zu gewinnen, was jeder Einzelne tun kann. Denn nichts ist schlimmer, als den Menschenfeinden die Bühne unwidersprochen zu überlassen.