Students’ impACT: Active Citizenship in European Schools

Gemeinsam mit dem Haus am Maiberg aus Heppenheim und FAR, dem Verein für demokratische Bildung aus Burgas/Bulgarien waren 21 Schülervertreterinnen und -vertreter aus Bulgarien und Deutschland eine Woche auf den Spuren von Jugendbeteiligung in Europa in Berlin unterwegs. Gefördert wurde das Jugenddemokratieprojekt vom EU-Programm Jugend in Aktion.

Dabei waren Jugendliche des Goethe Gymnasiums aus Burgas, der Liebfrauenschule und des Goethe Gymnasiums aus Bensheim sowie des Max-Plack-Gymnasiums aus Groß-Umstadt. Ziel war es nicht nur sich untereinander auszutauschen und zu vernetzen, sondern sich auch in vielen Gesprächen auf die Suche nach Beteiligungsmöglichkeiten für junge Menschen in der EU und konkret in Deutschland zu begeben.

Ein Höhepunkt dabei waren wohl die Gespräche mit Vertreter/innen der fünf Jugendorganisationen der Parteien im Bundestag: Junge Union, Grüne Jugend, Linksjugend solid, JuLis und Jusos Berlin Fragen zu ihrem politischen Engagement stellen. Ein unpolitisches Familienhaus kann genauso ein Grund sein wie Parteitradition in der Familie oder Eltern, die im Widerstand in der DDR aktiv waren und die Möglichkeit zur Partizipation als wichtigen Wert weiter gegeben haben. Für andere spielt die aktive Mitgliedschaft in der Schülervertretung (SV) oder die Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen eine Rolle bei der Entscheidung sich in einer politischen Jugendorganisation einzubringen. Auch Fragen danach, wie groß sie ihren eigenen Einfluss einschätzen und inwieweit sie sich vorstellen können, auch später in der jeweiligen Mutterpartei aktiv mitzuarbeiten diskutierten die Vertreter/innen mit sehr unterschiedlichen Meinungen.

Im November 2012 hatte bereits ein SV-Seminar im Haus am Maiberg stattgefunden. In einer Skype-Konferenz mit zwei bulgarischen Schülervertreterinnen waren hierbei Projektideen entstanden, die in einigen Schulen auch schon durchgeführt wurden. So erzählten Tale Meier und Lilian Hohmann von der SV des Goethe Gymnasiums aus Bensheim von ihrem Workshop zum Thema Cybermobbing in den sechsten und achten Klassen. Sophia Schaller und Patrizia Eisele von der Liebfrauenschule hatten vor wenigen Monaten mit ihrer SV zum ersten Mal ein Poetry Slam organisiert. In Berlin entwickelten die Teilnehmerinnen die Idee weiter, dieses kulturelle Projekt mit anderen Schulen gemeinsam für Bensheim auszuweiten. Die bulgarische Gruppe bietet mittlerweile eine umfangreiche Studienberatung an ihrer Schule an. So wollen sie ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zuverlässige Informationen über Studienmöglichkeiten im In- oder Ausland zur Verfügung stellen, ohne dass diese dafür Geld bezahlen müssen.

Aber die Jugendlichen blickten nicht nur auf vergangene und zukünftige Projektarbeit, sondern auch in die deutsche Geschichte des letzten Jahrhunderts: Die Ausstellung „GrenzErfahrungen“ im „Tränenpalast“ am S-Bahnhof Friedrichstraße war ein Highlight für viele Teilnehmende bei der Jugendbegegnung in Berlin. Das Gebäude diente zu DDR-Zeiten der kontrollierten Ausreise aus der DDR nach West-Berlin. An diesem historischen Ort wird schnell deutlich, dass Beteiligung an und Gestaltung von Politik nicht immer selbstverständlich waren und sind. Dies bestätigte sich auch in dem Workshop von Vesela Hristova vom Goethe Gymnasium Burgas und FAR zum Thema Partizipation und Kommunismus. Wie sich Jugendliche mit ihrer Meinung und ihren Ideen in der Europäischen Union einbringen können, machte Sascha Sauerteig von der Vertretung der EU-Kommission deutlich, sei es durch eine EU-Bürgerinitiative oder einen Brief an die oder den Abgeordnete/n im Europäischen Parlament. Durch gemeinsame Aktionen, wie ein Tanz auf dem Alexanderplatz, um auf die Mitarbeit in der Schülervertretung aufmerksam zu machen, oder eine Foto- bzw. Interviewsafari zu Politik im Alltag in Prenzlauer Berg und Kreuzberg lernten die Jugendlichen sich und die Hauptstadt besser kennen.

Die Jugendlichen sowie die Mitarbeitenden von FAR und dem Haus am Maiberg gehen mit neuen Impulsen in die Sommerpause, um diese nach den Ferien umzusetzen: Vernetzung der SVen in Bensheim für konkrete Projekte, ein Rap-Slam in Groß-Umstadt und politische Bildung in Burgas stehen unter anderem auf der Tagesordnung.

Hanne Kleinemas und Anna-Lena Osterholt, Haus am Maiberg

Anm. d. Red.: Die Idee zu diesem Seminar entstand im Rahmen des AKSB-Projekts „Schülervertretung in Europa“