Bosnien und Herzegowina

Schulsystem

Das Land Bosnien und Herzegowina ist als Folge des Krieges (1992-1995) noch immer stark gespalten. Leider spiegelt sich diese Teilung auch im Bildungssektor wider: Die Schülerinnen und Schüler werden meist nach Nationalität getrennt unterrichtet („Zwei Schulen unter einem Dach“), was sich vor allem in Unterschieden im Sprach- und Geschichtsunterricht widerspiegelt. Zudem sind die Unterrichtsmethoden veraltet und Frontalunterricht gehört zum Alltag.

Die gesetzliche Schulpflicht in Bosnien-Herzegowina beträgt neun Jahre und gilt für alle Staatsangehörigen. Es gibt drei verschiedene Bildungsstufen – die Grundschule, die Mittelschule und die Hochschulen. Ganztagsschulen gibt es in Bosnien-Herzegowina nicht. Im Durchschnitt sind in einer Klasse ungefähr 30 Schüler.

Nach dem reformierten System werden die Kinder bereits mit 6 Jahren eingeschult. Die Grundschule dauert neun statt früher acht Jahre. Nach Abschluss der Grundschule haben die Schüler verschiedene Möglichkeiten in Bezug auf die Mittelschulen, die sie besuchen können. Die Auswahl hängt allerdings von ihrem bisherigen Leistungen und Noten ab. Darüber hinaus gibt es sowohl 3-jährige als auch 4-jährige Mittelschulprogramme. 3-jährige Mittelschulen sind in der Regel sogenannte Berufsschulen, in denen man die theoretische und praktische Seite eines Berufes erlernt, jedoch nicht wie bei einer deutschen Ausbildung dafür bezahlt wird. Der Abschluss eines 4-jährigen Programms entspricht vollkommen dem Gymnasialabschluss bzw. Abitur in Deutschland und würde problemlos zum Hochschulzugang in Deutschland berechtigen.

Schülervertretungsarbeit

Die „Stiftung Schüler Helfen Leben“

Schüler Helfen Leben (SHL) wurde während der Jugoslawienkriege 1992 von Schülerinnen und Schülern gegründet und wird seitdem vom BMFSFJ unterstützt. 2002 gründete Schüler Helfen Leben e.V. die gleichnamige Stiftung.

SHL setzt sich stark gegen die „Zwei Schulen unter einem Dach“ ein. Zudem ist das SHL-Office in Sarajevo feste Anlaufstelle in der Region geworden und Aktivitäten wie die Schülervertretungs- und Jugendmedienarbeit, sowie multiethnische Austausche und Kooperationsprojekte erreichen immer mehr Jugendliche.

SHL fördert das Engagement von jungen Menschen. Zusätzlich hat sich aus der jahrelangen Unterstützung (seit Mitte der 1990er Jahre) von Schülerinnen und Schülern eine bosnienweite Schülervertretung (ASuBiH) entwickelt, die mittlerweile seit vier Jahren als eigenständige Organisation besteht.

Bosnienweite Schülervertretungsorganisation (ASuBiH)

Mit Unterstützung durch SHL Sarajevo entwickelten die SchülervertreterInnen eine demokratische Netzwerkstruktur, die besonderen Wert auf Partizipation und Mitbestimmung aller SchülervertreterInnen aus ganz Bosnien und Herzegowina legt. Endlich bekam das Netzwerk auch einen Namen: „Asocijacija srednjoskolaca u Bosni i Herzegovini“ (ASuBiH), auf Deutsch „Schülervertretungsorganisation Bosnien und Herzegowina“.

Neben einem demokratisch gewählten Vorstand, einer Generalversammlung von delegierten SchülervertreterInnen sowie thematischen Arbeitsgruppen, die sich aus Schülerinnen und Schülern aus allen Teilen Bosnien und Herzegowinas und sämtlichen ethnischen Gruppen zusammensetzen, wurde ebenfalls eine Koordinationsstelle für administrative und finanzielle Angelegenheiten eingerichtet. Alle Ämter werden von Schülerinnen und Schülern ehrenamtlich bekleidet. Der zeitliche Aufwand des Engagements für die ASuBiH ist genau auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler abgestimmt. Klausurzeiten und Schulferien sind in der Planung der Aktivitäten berücksichtigt.

Im Februar 2008 wurde die ASuBiH offiziell als Nicht-Regierungsorganisation anerkannt.

Nach ihrer Formalisierung und ohne die intensive Begleitung durch SHL Sarajevo, ist die Arbeit der ASuBiH heute sehr erfolgreich. Seit ihrer Gründung nimmt die Anzahl ihrer aktiven Mitglieder stetig zu. Die ASuBiH arbeitet in Bosnien und Herzegowina nahezu flächendeckend und in ihrer Netzwerkarbeit involviert sie 150 von den insgesamt 200 Oberschulen im Land. Durch mehr als 100 Peer-To-Peer Trainings von Schülerinnen und Schülern für Schülerinnen und Schüler fördert die Organisation auch 2010 das Lernen von und mit Gleichaltrigen.

Auch international ist die ASuBiH aktiv. Sie ist offizielles Mitglied des Dachverbandes internationaler Schülervertretungsorganisationen, des „Organising Bureau of European School Students Unions“ (OBESSU).

Quellen: Schüler helfen Leben; Helfer ohne Grenzen; ProjektXChange